Geschichte
Mehr als nur Vergangenheit und Jahreszahlen: Geschichte begleitet uns in unserem Alltag auf Schritt und Tritt: in Denkmälern und Gebäuden, in Zeitungsartikeln und Ausstellungen, in den Erzählungen älterer Menschen, in Spielfilmen und Romanen, sogar in der Werbung.
Alle diese Erfahrungen von Geschichte prägen unsere historischen Kenntnisse, Vorstellungen und Urteile – unser Geschichtsbewusstsein. Nur der Mensch ist in der Lage, langfristig Erfahrungen zu sammeln, diese zu überliefern, auf die Gegenwart zu beziehen und damit sich selbst und seine Welt als geschichtlich wahrzunehmen. Die Entwicklung dieses Geschichtsbewusstseins gehört zu den wichtigsten Wesensmerkmalen und kulturellen Leistungen des Menschen.
Grundlagenfach Geschichte
Geschichte hilft uns zu verstehen, wie unsere heutige Welt entstanden ist. Politische Ordnungen, wirtschaftliche Strukturen, gesellschaftliche Vorstellungen und kulturelle Werte sind historisch gewachsen und verändern sich fortlaufend. Der Geschichtsunterricht fragt deshalb nicht nur danach, was in der Vergangenheit geschehen ist, sondern auch danach, was Geschichte mit unserer Gegenwart zu tun hat.
Schülerinnen und Schüler lernen, historische Entwicklungen einzuordnen, Kontinuitäten und Brüche zu erkennen und nach Ursachen und Folgen von Veränderungen zu fragen. Dabei begegnen sie vergangenen Lebenswelten und unterschiedlichen Perspektiven. Sie erfahren, dass gesellschaftliche Verhältnisse von Menschen geschaffen und verändert wurden – und dass auch unsere heutige Welt weder selbstverständlich noch unveränderlich ist. Genau diese Historizität menschlicher Gesellschaften stellt der neue Lehrplan ins Zentrum.
Geschichtsunterricht bedeutet aber nicht nur, historisches Wissen zu erwerben. Schülerinnen und Schüler lernen, eigene Fragen an Vergangenheit und Gegenwart zu stellen, historische Quellen zu erschliessen und unterschiedliche Darstellungen von Geschichte kritisch zu beurteilen. Dabei setzen sie sich auch damit auseinander, wie Geschichte in Medien, Politik und öffentlicher Erinnerung dargestellt und genutzt wird.
Inhaltlich spannt der Unterricht einen weiten Bogen von den Grundlagen unserer modernen Gesellschaft über Industrialisierung, Nationalstaaten und Imperialismus bis zu den Weltkriegen, den Diktaturen des 20. Jahrhunderts, dem Kalten Krieg und der globalisierten Welt der Gegenwart. Frühere Epochen werden dort einbezogen, wo sie zum Verständnis langfristiger Entwicklungen beitragen. Im Zentrum stehen dabei immer wieder Bezüge zu aktuellen politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen.
Politische Bildung
Politik prägt unseren Alltag – von Abstimmungen und Wahlen über gesellschaftliche Konflikte bis hin zu internationalen Krisen. Die Politische Bildung vermittelt Schülerinnen und Schülern die Grundlagen, um solche Prozesse zu verstehen, unterschiedliche Positionen einzuordnen und sich eine eigene, begründete Meinung zu bilden.
Im vierten Gymnasialjahr werden diese Kompetenzen in einem eigenen Unterrichtsblock gezielt vertieft. Im Zentrum stehen politische Institutionen und Entscheidungsprozesse, Parteien und weitere politische Akteure, aktuelle gesellschaftliche Debatten sowie die Möglichkeiten demokratischer Mitwirkung. Schülerinnen und Schüler analysieren politische Fragestellungen, prüfen Informationen und Medien kritisch, wägen Argumente gegeneinander ab und üben sich in Diskussion und Debatte.
Dabei geht es nicht darum, bestimmte politische Positionen zu vermitteln. Kontroverse Fragen werden auch im Unterricht als solche behandelt. Ziel ist es, Analyse-, Urteils- und Handlungsfähigkeit zu fördern und die Bedeutung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten verständlich zu machen. Politische Bildung soll so dazu beitragen, dass junge Erwachsene ihre Möglichkeiten zur Mitgestaltung von Gesellschaft bewusst wahrnehmen können.
Schwerpunktfach Geographie und Geschichte
Wie verändern Menschen ihre Umwelt – und wie prägen historische Entwicklungen unsere heutige Welt? Das Schwerpunktfach Geografie und Geschichte verbindet räumliches und zeitliches Denken und eröffnet damit einen besonders vielseitigen Zugang zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.
Im Unterricht beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler unter anderem mit Klimawandel und Naturgefahren, Migration und Globalisierung, Ressourcen und Geopolitik, gesellschaftlichen Veränderungen sowie Fragen nachhaltiger Entwicklung. Dabei werden geografische und historische Perspektiven miteinander verknüpft: Räume werden als Ergebnis natürlicher und gesellschaftlicher Prozesse untersucht, gegenwärtige Entwicklungen in ihren historischen Zusammenhängen betrachtet.
Das Schwerpunktfach fördert analytisches, vernetztes und multiperspektivisches Denken. Schülerinnen und Schüler arbeiten mit Quellen, Karten, Daten und wissenschaftlichen Modellen, entwickeln eigene Fragestellungen und lernen, komplexe Zusammenhänge fundiert zu beurteilen. Auch interdisziplinäres Arbeiten erhält einen besonderen Stellenwert.
So verbindet das Schwerpunktfach die Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und vermittelt Kompetenzen, die sowohl für ein späteres Studium als auch für die aktive Mitgestaltung von Gesellschaft und Umwelt von Bedeutung sind.
Ergänzungsfach Geschichte
Das Ergänzungsfach Geschichte bietet die Möglichkeit, Themen und Fragestellungen zu vertiefen, die im Grundlagenfach nur am Rande behandelt werden können. Im Zentrum stehen ausgewählte politische, gesellschaftliche und kulturgeschichtliche Themen sowie aktuelle Entwicklungen mit historischem Hintergrund.
Der Unterricht lässt bewusst Raum für unterschiedliche Zugänge und Interessen. Je nach Kurs können etwa Regionalgeschichte, globale Konflikte, gesellschaftlicher Wandel oder weniger bekannte Epochen und Themenfelder aufgegriffen werden. Auch Wünsche und Fragestellungen der Schülerinnen und Schüler können in die Planung einbezogen werden.
Neben der inhaltlichen Vertiefung spielt das selbstständige und forschende Arbeiten eine wichtige Rolle. Unterschiedliche Quellen und Medien, Diskussionen, kleinere Projekte sowie Exkursionen ermöglichen es, Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu untersuchen und auch ausserhalb des Klassenzimmers erfahrbar zu machen.
So schafft das Ergänzungsfach Raum für historische Neugier, vertiefte Auseinandersetzung und eigene Schwerpunktsetzungen.
Exkursionen
Bundeshaus
Eine Konstante im Fach Geschichte ist der Staatskundeunterricht, der idealerweise mit einer Reise nach Bern abgerundet wird. Die Schülerinnen und Schüler schätzen die Möglichkeit, eine Debatte im Nationalrat zu verfolgen, den Ständeratssaal zu besichtigen und einzelne Parlamentarier in einer Fragestunde näher kennenzulernen.
Schweizer Geschichte
Die historischen Stätten und Mythen der älteren Schweizer Geschichte lassen sich am besten vor Ort erfahren. Eine zweitägige Exkursion in die Innerschweiz umfasst beispielsweise die Besichtigung des sagenumwobenen Schlachtgeländes am Morgarten, eine Wanderung auf die Rütliwiese und den Besuch des Forums Schweizer Geschichte in Schwyz.
Nationalsozialismus
Ein in der Regel sehr intensiv behandeltes Thema im Geschichtsunterricht ist der Nationalsozialismus. Auf einer zweitägigen Exkursion nach Bayern lassen sich diverse Aspekte davon veranschaulichen. Die dunkle Seite der Täter wird in der Dokumentation Obersalzberg besonders deutlich, während im KZ Dachau das Leiden der Opfer ansatzweise erfahrbar wird. In München – der „Hauptstadt der Bewegung“ – gibt es auch die Möglichkeit von Seminaren im NS-Dokuzentrum und Stadtführungen mit thematischen Fokus.
Berlin
Auch auf den jährlich mit den Abschlussklassen durchgeführten Bildungsreisen lassen sich historische Aspekte bestens ins Programm einbauen. So erhielten einzelne Klassen die Gelegenheit, in Berlin den Bundestag, die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Strasse oder das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen zu besuchen.
Wir sind alle Teil der so genannten Mediengesellschaft und konsumieren Medien praktisch rund um die Uhr: Zeitungen, Radio und Fernsehen und vor allem Jugendliche immer mehr soziale Medien. Die starke Präsenz der Medien im Alltag der Schüler und Schülerinnen ergab viele direkte Anknüpfungspunkte für eine Reihe von Fragen wie z. B.:
- Wie ist eine Zeitung aufgebaut?
- Wie kommen die Medien zu ihren Informationen?
- Welche Möglichkeiten der Manipulation haben Medien?
- Welche Rolle spielen Medien in der Demokratie?
- Wie sieht die mediale Zukunft aus?
Neben der Erarbeitung des Themas im Unterricht stand die direkte Begegnung mit Medienschaffenden und der Besuch vor Ort mit dem Blick hinter die Kulissen auf dem Programm. Konkret:
- Gespräch mit dem Chefredaktor des Rheintalers, Herrn Gerd Bruderer
- Diskussion mit dem Regisseur des Spielfilms „Das Deckelbad“, Herrn Kuno Bont
- Besuch im Radiostudio FM1 in St. Gallen
- Besuch der Studios des Schweizer Fernsehens in Zürich und Teilnahme an der Diskussionssendung «Arena»