• Home
  • Drucken
  • Kontakt
  • Suche
  • Login
  • Redaktion
  • Webmail
  • Reservation
  • Ticketsystem

Begenung mit Ruth Schweikert und Silvia Juliani

Die Stiftung ch Reihe hat sich das Ziel gesetzt einen Beitrag zur Vermittlung des kulturellen Sprachaustauschs zwischen den Regionen der Schweiz zu leisten. Sie ermöglicht Schulklassen kostenlos ein Team von AutorIn und ÜbersetzerIn einzuladen und mit ihnen über ein Werk zu sprechen. Glückliche Niessnutzer dieses grosszügigen Angebots war die Klasse 4I der Kantonsschule Heerbrugg. Nicht nur sie sollten davon profitieren können, sondern auch Schüler und Schülerinnen der Klasse 4pql der Kantonsschule Am Burggraben aus St.Gallen, die der Einladung der Heerbrugger Italienischlehrerin gefolgt waren.

Den Weg ins Rheintal gefunden hatten Ruth Schweikert aus Zürich, namhafte Schweizer Schriftstellerin sowie Silvia Juliani, Übersetzerin aus Florenz.

Eine Schülerin, hatte sich im Vorfeld intensiv mit dem Text "Augen zu" auseinandergesetzt, die Strukturen entwirrt und das Werk zusammengefasst:
"Augen zu, der erste Roman von Ruth Schweikert, besteht aus verschiedenen Geschichten, die wie ein Puzzle zusammengefügt sind. Die Geschichte durchzieht kein roter Faden, so treten immerzu unerwartete Handlungen der agierenden Personen auf. Der Leser wird gezwungen sehr aufmerksam zu lesen. Der besondere Aufbau unterstreicht die Komplexität der Lebensgeschichten von verschiedenen Generationen und verbindet diese. Die Figuren werden relativ kalt dargestellt, das führt zu einer melancholischen Grundstimmung. Schweikert schreibt äusserst präzise und geht sehr ins Detail." (Patrizia)

Nicht nur der Originaltext in Sinn und Aussage sollten besprochen werden, sondern auch die Übersetzung in Umsetzung und Wirkung.

Die Lernenden hatten sich darum mit dem Beruf des Übersetzers befasst. "Es ist für Übersetzer wichtig, dass sie die zu übersetzenden Texte selber auswählen können, da ihr Interesse am Werk, ihre Motivation dazu, länger erhalten bleibt. .... Die Übersetzung eines Romans in eine andere Sprache stellt eine beinah unlösbare Aufgabe dar. Ein reichhaltiger Wortschatz und das nötige Gespür für Kleinigkeiten sind unabdingliche Vorraussetzungen um eine Übersetzung erfolgreich zu meistern." (Christian und Andrea)

Nun richteten sich dreissig Augenpaare gespannt auf die beiden Frauen mittleren Alters. Wer sollte das Wort als Erste ergreifen?

"Als Kind wünschte ich mir an manchen Tagen schon frühmorgens dringend irgend etwas, das nicht Milch hiesse und das tägliche Brot gib uns heute..." begann nun Ruth Schweikert mit ihrer Lesung. Die scharfe, packende Sprache nahm die Zuhörer in ihren Bann. Sec, schonungslos, ... hatte Schweikert die nach einer eigenen Identität suchende Frau Aleks dargestellt, die sich wie eine Fremde in dieser Welt fühlte und sich dazu zwang, die Augen offen zu halten. Versteckte sich die Autorin selbst in ihrer Hauptfigur? Dies Preis zu geben wäre doch des Guten zu viel...

Genau so sec wie ihre Sprache war das Auftreten der Autorin.

Wie tönt dieselbe Stelle auf Italienisch? Silvia Juliani doppelte nach: "Quando ero piccola certi giorni sentivo già la mattina presto un desiderio impellente di qualcosa che non fosse latte o burro o dacci oggi il nostro pane quotidiano..."

Eine zentrale Stelle aus dem Roman wurde von der Autorin zitiert. Die daraus folgende Übersetzung sollte aber gar nicht ihren Erwartungen entsprechen.

"Über Wochen hin entfernte Alexandra nun von mehreren alten Grabsteinen lose Buchstaben und Ziffern und versuchte, damit ihren Namen zusammenzusetzen, der sich so verwandelte in Aleks Martin Schwarz...  Geburts- und Todesjahre entstanden nach Belieben, aber auch Wortfolgen wie LINKS WAR SCHMERZ SCHALK ZART WARM; und so holte sich Aleks abends in ihrem schmalen Zimmer im ausgebauten Dachstock durchs offene Fenster das MARSZELT vom Himmel..."

Daniela und Sandra fassten das Übersetzungsproblem des Anagramms zusammen: "Frau Juliani stand bei der Übersetzung dieser Passage vor einem Problem: Wie sollte sie den Inhalt der Wörter auf Italienisch übersetzen ohne dabei die Anagramme zu verlieren? Aufgrund einzelner Buchstaben, die in der italienischen Sprache kaum vorhanden sind (z.B. sch, k, z), war es der Übersetzerin unmöglich, sinngemässe italienische Anagramme zu finden. Deshalb übersetzte sie eins zu eins, was die Autorin Ruth Schweikert vorher nicht gewusst hatte und nun sehr bedauerte.

Wir sind diesem Problem auch nachgegangen und sind dabei auf eine weitere Lösung gestossen. Unserer Meinung nach wäre es sinnvoller gewesen, die Anagramme einfach nicht zu übersetzen, da der Roman sowieso in der Schweiz spielt und es sich dabei um deutsche Namen handelt."