Bildnerisches Gestalten

Bilder sind heute im Alltag, in den digitalen Medien allgegenwärtig. Sie erzählen Geschichten, sie informieren und erklären, sie unterhalten oder sie wecken Erinnerungen. Bilder sind die Sprache unserer Zeit. Wir beschäftigen uns mit der Sprache der Bilder, lernen sie zu «verstehen» und zu «sprechen».

Grundlagenfach

Wie zeichne ich ein realistisches Gesicht? Wie mische ich einen Hautton? Wie gelingt es, dass beim fotografierten Porträt der Hintergrund verschwommen erscheint? Was muss ich tun, damit meine gezeichnete Blume räumlich wirkt? Wie ordne ich die Elemente auf meinem Plakat wirkungsvoll an? Was verbinde ich mit dem Begriff «Landschaft»? Wie komme ich auf eigene Ideen? Was interessiert mich?

Das Gestalten entspringt nicht einfach einem Talent, fast alles lässt sich lernen und üben. ­Das Lernen geschieht vor allem über das eigene gestalterische Tun. Bilder entstehen in einem komplexen Prozess. Dabei spielen die sinnliche Wahrnehmung, Gefühle, Erinnerungen und Fantasie eine ebenso grosse Rolle wie das Wissen um die Wirkung der Farben, der Formen, der Perspektive oder der Komposition. Sammeln, skizzieren, experimentieren, vergleichen, verwerfen und verdichten sind einige der Vorgehensweisen, die zu ganz eigenständigen Bildlösungen führen. Regelmässig zeigen wir einander unsere Arbeiten, tauschen unsere Wahrnehmungen aus und lernen so voneinander.

Bei der Gestaltung von Bildern kommen verschiedenste Medien und Techniken zum Einsatz. Bilder entstehen als Kohleskizzen oder als Tuschezeichnungen, sie werden gemalt mit Aquarellfarben, Gouache- oder Akrylfarben. Digitale Fotografien können als Vorlagen für eine Bildidee dienen oder erzählen als bewegte Animation eine kleine Geschichte. Im dreidimensionalen Bereich arbeiten wir mit Ton oder anderen Materialien und formen und bauen daraus fantasievolle Objekte. 

Im Bildnerischen Gestalten werden Fähigkeiten gefördert, welche uns in vielen Lebensbereichen weiterbringen: Genaue Wahrnehmung, räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentration, Ausdauer, offene Haltung gegenüber Neuem, Eigeninitiative, kreatives Problemlösen und Ausdrucksvermögen. So sind die bewusste Wahrnehmung und der kompetente Umgang mit Bildern nicht nur grundlegend im künstlerischen Bereich, sondern auch in naturwissenschaftlichen, medizinischen oder sozialen Berufen.

  • Borstenpinsel mit Gouachefarben
  • Gouachefarben auf Papier
  • Gouache auf Papier
  • Farbstifte auf braunem Papier
  • Bleistift und Kreide auf Papier
  • Gouache auf Malkarton
  • Holzsschnitt
  • Verschiedene Bleistifte auf Papier
  • Gouache und Bleistift auf Malkarton
  • Holzschnitt verlorene Form
  • Ausstellung Günter Fruhtrunk in Vaduz
  • Maske aus Gipsbinden

Schwerpunktfach

Bildnerisches Gestalten als Kommunikationsmittel verstehen und eine eigene Bildsprache entwickeln

Im Schwerpunktfach setzen wir uns in der Klasse intensiv mit der Produktion und Rezeption von Bildern auseinander, dabei wird der Stoff des Grundlagenfachs vertieft und erweitert. Durch das genaue Beobachten, Reflektieren, Kommunizieren und Hinterfragen gestalterischer Tätigkeiten und Erzeugnissen, formt und verfeinert sich die eigene Bildsprache.

Die persönliche Wahrnehmung schärfen und das kreative Ausdrucksvermögen stärken

Mit der Zeit lernt man die kreativen Prozesse und Überlegungen, die hinter jeder gestalterischen Arbeit stecken, besser zu verstehen und zu beurteilen. Man kann sie gezielter anwenden und kontrollieren. Dieser anspruchsvolle Gestaltungsprozess schärft die persönliche Wahrnehmung und stärkt das kreative Ausdrucksvermögen, das für das eigene Schaffen zentral ist.

Persönlichkeitsbildung und visuelle Kompetenz

Die Bildung und Reifung der Persönlichkeit im freien, gestalterischen Tun gehören zu den besonderen Stärken dieses Schwerpunktfachs. Der grosse Gestaltungsspielraum, der dennoch klar definiert und umrissen wird, fördert und unterstützt die persönliche Entfaltung und führt zu einer visuell vielfältig geschulten Persönlichkeit, die sensibel und kompetent mit eigenem und fremdem Bildmaterial umgehen kann.

Sonderwochen, Fenstertage und Exkursionen

In den beiden Sonderwochen, die im 3. Jahr des Gymnasiums stattfinden, bekommen die Schülerinnen und Schüler jeweils einen ausgiebigen Einblick in die Kunst der analogen Fotografie und der grafischen Drucktechniken. Die Fenstertage und Exkursionen bieten Gelegenheit hautnah in Ausstellungen und Ateliers oder in längeren Arbeitsphasen den Unterrichtsstoff weiter zu vertiefen und praxisbezogen zu erleben.

«Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.»

Pablo Picasso

Aus dem Unterricht

Farbe

«Die Menschen empfinden im allgemeinen eine grosse Freude an der Farbe. Das Auge bedarf ihrer, wie es des Lichtes bedarf. Man erinnre sich der Erquickung, wenn an einem trüben Tage die Sonne auf einen einzelnen Teil der Gegend scheint und die Farben daselbst sichtbar macht.»

Aus Goethes Farbenlehre

Woher erhalten Farben ihre Namen?

Farbnamen haben verschiedene Ursprünge. Sie bezeichnen den pflanzlichen, tierischen oder anorganischen Ursprung einer Farbe (Indigoblau, Elfenbeinschwarz, Bleiweiss), sie tragen den Namen einer Region oder eines Landes, von denen die Farbe stammt oder kulturell geprägt ist (Umbra, Türkischrot) oder haben den Namen aufgrund der farblichen Ähnlichkeit einem konkreten Ding oder Stoff entliehen (Zitronengelb, Coelinblau).

Kann man Farben ordnen?

Künstler und Gestalter haben immer wieder versucht, die Farben in einem System zu ordnen. Wieviele Farben gibt es eigentlich?

Wie kann ich Farben verändern?

Eine Ausgangsfarbe lässt sich in drei Grundrichtungen verändern.

Sie kann heller oder dunkler werden. Sie kann gesättigter (leuchtender, reiner) oder ungesättigter (stumpfer, trüber) werden. Sie kann in die Richtung einer anderen Farbe geändert werden.

Aus welchen Grundfarben kann ich Farben mischen?

Grundfarben beim Malen

Als Grundfarben beim Malen gelten Cyan, Magenta und Gelb (Yellow). Zusammen mit Schwarz und Weiss lassen sich daraus alle anderen Farben mischen (subtraktive Mischung). In der Praxis gelingt dies aber nicht ganz.

Grundfarben des Lichtes (Bildschirme)

Bildschirme funktionieren mit den drei Farben Rot, Grün und Blau (RGB). Die Pixel leuchten unterschiedlich hell. Andere Farben gibt es auf einem Display nicht. Die Farben, die wir sehen werden auch nicht auf dem Display gemischt. Sie entstehen erst durch das Licht, das in unsere Augen gelangt (additive optische Mischung).

Wie wird Farbe in Bildern verwendet?

  • Gegenstandsfarbe / Lokalfarbe
  • Erscheinungsfarbe (siehe Beispiele)
  • Ausdrucksfarbe
  • Symbolfarbe
  • Absolute Farbe

Was hat Farbe mit Licht zu tun?

Beispiele von Schülerinnen und Schülern

  • Ölfarbe und Fineliner auf Papier
  • Nass in nass auf Aquarellpapier
  • Fineliner und Aquarellfarbe
  • Farbe fliessen lassen auf Aquarellpapier

Fotowoche

Jeder kann knipsen. Auch ein Automat. Aber nicht jeder kann beobachten. Beobachten ist ein elementar dichterischer Vorgang. Auch die Wirklichkeit muss geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen.

Friedrich Dürrenmatt

Schwarz-Weiss-Fotografie: Harmonie von Gegensätzen

Schwarz-Weiss ist die Seele der Fotografie seit Anbeginn. Licht und Schatten legen den Kern der Bildaussage frei.

In einer Sonderwoche vermittelt ein Fotokurs technische Grundlagen für ein erfolgreiches Fotografieren mit einer analogen Spiegelreflexkamera. Die Schwerpunktklasse lernt die Anwendung der elementaren Einstellungen: Blendenwahl für kreative Schärfe und Unschärfe, Zeitwahl für scharfe oder dynamische Bewegung, Wahl der Brennweite für die Raumwirkung, … Diese Kameraeinstellungen gelten in gleicher Weise für die analoge und die digitale Fotografie. Eine bewusste Komposition der Bildelemente und das Spiel mit dem Licht lassen schliesslich stimmungsvolle, überzeugende Bilder entstehen.

Im Fotolabor entwickeln die Schülerinnen und Schüler ihre Schwarzweissfilme in der Dose und zaubern aus den Negativen mit dem Vergrösserer Fotoabzüge auf Papier. Dieses entschleunigte Verfahren führt weg vom raschen Knipsen zu einem sinnlichen Einfangen von faszinierenden Augenblicken.