Ein Angebot für die Öffentlichkeit
In unserer Umgebung oder auf Reisen trifft man immer wieder auf lateinische Inschriften und Zitate, die nicht leicht zu verstehen sind. Auch bei der Lektüre belletristischer oder philosophischer Werke sowie historischer, musik- oder kunstwissenschaftlicher Quellen stossen Leserinnen und Leser oft auf lateinische Passagen oder Ausdrücke, die für Nichtspezialisten unüberwindbare Hindernisse darstellen. Dazu kommt, dass auch moderne Druckerzeugnisse immer häufiger fehlerhafte lateinische Zitate bzw. ungenaue bis falsche Übersetzungen enthalten.
Der Unterzeichnete bietet gerne ehemaligen Lateinern bzw. Hobbylateinern, aber auch Personen, die sich nie mit dieser Sprache befasst haben, seine Hilfe bei der Entzifferung und Interpretation einzelner Stellen oder Passagen an. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie eine Photo oder eine Photokopie zur Verfügung stellen. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass Abschriften fast immer fehlerhaft sind und keine ausreichende Basis für eine exakte Begutachtung abgeben, weil relevante Details übersehen oder optisch falsch gedeutet werden.
Ob Sie auf einem Friedhof oder in einer Kirche, im Museum oder bei einer Stadtbesichtigung, bei der Durchsicht von alten Pfarrbüchern, Briefen und Urkunden, bei der Lektüre von Originaltexten oder Fachliteratur auf Lateinisches stossen, das Sie intrigiert, wenden Sie sich ungeniert an
Kantonsschule Heerbrugg
Björn Infanger
Karl-Völker-Strasse 11
9435 Heerbrugg
bjoern.infanger(at)ksh.edu
Wenn nicht die Lösung, so doch eine Antwort sei versprochen!
Ein Beispiel: Inschrift aussen auf dem Eckstein der Kirche von Oberegg AI (Portalseite links)
Lapis lapidis
lapidi lapidem lapide
junget.
Wörtlich: Der Stein des Steins wird mit Stein den Stein zum Stein fügen.
Deutung: Der Stein der Steine ist der wichtigste Stein, der Grund- oder Eckstein. Er bildet die Basis, auf der man nachher, Stein um Stein, aufbauen kann. Auf ihm ruht alles. Wäre anstelle des Ecksteins Sand, liesse sich kein Bau hochziehen.
Im Spruch ist aber der "Stein der Steine" nicht nur tragende Basis, sondern selber aktiv, indem er fügt und baut. Der Satz nimmt also das in der Bibel vielfach vorhandene Bild vom Eckstein, mit dem Christus gemeint ist, auf. (Man vergleiche z.B. Paulus, Brief an die Epheser 2,19ff.)
Der Verfasser dekliniert das Wort lapis nach Grammatikermanier vom Nominativ bis zum Ablativ durch und betont damit, dass der Eckstein (Gott) in allen Formen und überall am Werke ist.





