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FAQ: Frequenter Allatae Quaestiones

 

1. Für welche universitären Studien wird eine Lateinmatura vorausgesetzt?

Grundsätzlich wird an den Schweizer Universitäten eine Lateinmatura für das Studium der Sprachen, ebenso für Geschichte (inkl. Kunstgeschichte und Musikwissenschaft), Philosophie und Theologie vorausgesetzt. Zur Zeit ist allerdings in der schweizerischen Hochschullandschaft manches im Umbruch. Auch können sich die Anforderungen im Detail je nach Studienort unterscheiden, weil die Hochschulen den Kantonen unterstehen und eine gewisse Autonomie geniessen. Zürich beispielsweise, die grösste und von Heerbrugg aus nächste Universität, verlangt Latein für folgende Studiengänge (Stand Oktober 2010):

        Deutsch

        Englisch

        Vergleichende Sprachwissenschaft       

        Latein, Griechisch

        Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Rätoromanisch, Rumänisch

        Geschichte, Schweizer Geschichte, Archäologie

        Philosophie, Theologie

        Kunstgeschichte

        Musikwissenschaft

Für weitere Angaben sei verwiesen auf www.latein.ch/latinum bzw. auf die Internetseiten der einzelnen Universitäten.

 

 

2. Kann man also diese Fächer nicht studieren, wenn man keine Lateinmatur besitzt?

Doch, man kann. Allerdings muss man dann an der Universität einen "Latinumskurs" absolvieren und eine "Latinumsprüfung" ablegen, was sehr zeitaufwändig ist und das Studium verlängert. Auch zeigt die Praxis, dass viele Studierende diese „Schnellbleiche“, die es ihnen nicht erlaubt, sich auf die Texte einzulassen, als unbefriedigend erleben und deshalb im Nachhinein bedauern, nicht an der Mittelschule Latein gewählt zu haben. Nicht umsonst heisst es in einem Schreiben der Uni Zürich an die Rektoren der Mittelschulen (Januar 2008): „Die Latinumskurse, die am Sprachenzentrum der Universität und der ETH angeboten werden, sind Nachholkurse; sie sind für die Studierenden mit grossem Aufwand verbunden und wirken sich deshalb studienzeitverlängernd aus. Die Kurse können wegen der Gedrängtheit des Programms ... keinesfalls den Lateinunterricht, wie er an den Gymnasien geboten wird, ersetzen.“ 

 

 

3. Braucht es nicht auch für das Studium von Jus und Medizin Latein?

Nein. An den Schweizer Universitäten wurde das Lateinobligatorium für Jus und Medizin schon vor geraumer Zeit abgeschafft. Allerdings sind Lateinkenntnisse auch in diesen Studienbereichen eine wertvolle Verständnishilfe. Nicht umsonst verlangen im benachbarten Österreich die Universitäten von den Medizin- und Jusstudierenden weiterhin eine Lateinmatur.

 

 

4. Wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler für moderne Sprachen interessiert, ist es dann möglich, diese neben dem SPF Latein als Freifach zu erlernen?

Ja. Italienisch- und Spanischfreifachkurse à 2 Wochenlektionen beginnen regelmässig im zweiten Jahr. LateinschülerInnen machen häufig von diesem Angebot Gebrauch, das in der Regel bis zur Matura fortgesetzt wird.

 

   

5. Was kann man tun, wenn man Latein an der Sekundarschule verpasst hat?

Man wählt ein anderes Schwerpunktfach und belegt zusätzlich den sog. Latinumskurs. Dieser beginnt gleich nach der Probezeit, umfasst regelmässig 3 Wochenlektionen und wird nach 7 Semestern, also an der Matura, mit einer mündlichen und schriftlichen Prüfung abgeschlossen. Wer diese Prüfung besteht, erhält einen Ausweis, der an den Schweizer Universitäten zum prüfungsfreien Studium aller latinumspflichtigen Fächer berechtigt. Der anspruchsvolle, weil sehr kompakte Sprachkurs kommt in der Belastung einem zweiten Schwerpunktfach gleich und setzt deshalb gute Leistungen in den übrigen Fächern und eine hohe Bereitschaft zu Zusatzaufgaben voraus. Für weitere Freifächer bleibt dann kaum mehr Zeit.

 

 

6. Welchen Stellenwert hat die Aufnahmeprüfung im Fach Latein?

Für das Absolvieren dieser zusätzlichen Prüfung wird niemand „bestraft“, d.h. für das Bestehen der Aufnahmeprüfung in die Kanti zählt das Gesamtresultat der 5 bzw. 4 Prüfungsfächer, mit oder ohne Latein. Sollte das Resultat in Latein einmal deutlich unter 4 liegen, gilt es, den Gründen nachzugehen: Pech, Unvermögen, ungünstige Bedingungen im Vorfeld? Wie bei der Aufnahme in die mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung nicht die Mathematiknote, sondern das Gesamtresultat den Ausschlag gibt, so auch im Falle des Lateins und der Lateinabteilung.

 

 

7. Was können Schülerinnen tun, die ein anderes Schwerpunktfach wählen und das Sekundarlatein trotzdem fortführen möchten?

Auch ihnen steht der unter Frage 5 erwähnte Latinumskurs offen, wenn er auch nicht exakt auf sie zugeschnitten ist, weil er von vorne beginnt. Eine solche Wahl sollte man sich aber wohl überlegen. Wer in der glücklichen Lage ist, an der Sek das Freifach Latein mit Erfolg besucht zu haben, sollte nicht ohne gute Gründe auf das SPF Latein verzichten. Der Latinumskurs stellt nämlich eine grosse Zusatzbelastung dar und ist inhaltlich nicht mit dem Unterricht im SPF zu vergleichen. Der Latinumskurs ist ein gedrängter Sprachkurs, der zur Lektüre einfacher Originaltexte führen soll, während im SPF nebst der Lektüre auch Gebiete wie Geschichte, Mythologie, Kunst und Recht zum Zuge kommen. Auch Sonderprojekte wie Exkursionen und – als Höhepunkt – die Studienwoche in Rom gehören zum Programm des SPF.

 

 

8. Was empfehlen Sie einem Sekundarschüler, der zwischen Latein und einem anderen Schwerpunktfach schwankt?

Zuerst eine allgemeine Bemerkung zum Gymnasium und zur Maturität: Die Matura bildet den Abschluss der Mittelschule, d.h. jener Schule, die zwischen der obligatorischen Volksschule und der Hochschule, positioniert ist. In der Mittelschule erarbeitet sich der Gymnasiast jene Allgemeinbildung, die ihm die Aufnahme möglichst aller Studien und Berufsgänge ermöglichen soll. Je breiter die gymnasiale Allgemeinbildung abgestützt ist, desto umfassender die Basis für die darauf aufbauende berufliche Spezialisierung. In diesem Sinne ist Latein wie Mathematik ein typisches Mittelschulfach. Wie Mathematik nicht nur eine Voraussetzung für die Naturwissenschaften ist, sondern mit Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung in fast alle Fachdisziplinen ausstrahlt, so wirkt sich Latein nicht nur in den Geisteswissenschaften, sondern mit dem präzisen Ausdruck, der Sprachpflege und Sprachreflexion in allen anderen höheren Studien aus. Wer sich sein Kantiprogramm absolut ziel- und nutzorientiert zusammenstellt, bringt es zwar rasch zu beachtlichen Spezialkenntnissen, sein Bildungshorizont kann aber gefährliche weisse Flecken aufweisen. Es ist unbestritten, dass zu Beginn eines HSG-Studiums der Absolvent des SPF Wirtschaft+Recht gewisse Vorteile hat und dass man auf das erste Jahr des Medizinstudiums mit dem Schwerpunkt Mathematik+Naturwissenschaften am besten vorbereitet ist. Mit etwas Distanz bestätigen aber viele Hochschulabsolventen, dass sie es nicht bereuen, nicht den direktesten und einfachsten Weg eingeschlagen zu haben. In diesem Sinne sind Lateiner Generalisten mit einer breiten Grundbildung, was sich u.a. darin zeigt, dass sie fast regelmässig das ganze Spektrum an Studienrichtungen wählen und in der Medizin wie in den Geisteswissenschaften, an der HSG wie an der ETH anzutreffen sind.

Auf dem Hintergrund dieser allgemeinen Bemerkungen kannst du folgende Überlegungen anstellen:

8.1. Was lässt sich später, nach der Matura, eher noch nachholen? Die Erfahrung zeigt z.B., dass Latein sich kaum in Eigeninitiative und nur mit grossem Aufwand an Einsatz und Disziplin erlernen lässt. Eine moderne Fremdsprache hingegen kann man sich durch einen Sprachaufenthalt im entsprechenden Land lustvoll und effizient aneignen. Wer so überlegt, entscheidet sich für das SPF Latein als „Investition fürs Leben“, zumal sich die hier erworbenen Kenntnisse beim Fremdsprachenerwerb positiv auswirken.

8.2. Ähnlich steht es mit dem Ergänzungsfach, das notenmässig ein Zwölftel der Matura ausmacht und den persönlichen Maturitätslehrgang ergänzt. Schülerinnen und Schüler mit dem SPF Latein, die sich im Verlaufe der Kantizeit z.B. für ein Wirtschaftsstudium oder für Medizin entscheiden, haben die Möglichkeit, Wirtschaft+Recht oder Biologie bzw. Chemie, Physik als Ergänzungsfach zuzuwählen. Umgekehrt figurieren die Sprachen nicht im Katalog der Ergänzungsfächer, weil es nicht sinnvoll ist, eine Sprache erst im Maturajahr zu beginnen.

8.3. Und zuletzt: Für den Fall, dass jemand an der Kanti merkt, dass er das falsche SPF gewählt hat, gibt es die Möglichkeit, dieses ein Mal zu wechseln. Wer zwischen Latein und einem anderen SPF zögert, kann sich überlegen, in welcher Richtung ein allfälliger nachträglicher Wechsel leichter möglich ist.

 

 

9. Schränkt eine Lateinmatur nicht die Wahlmöglichkeiten für bestimmte Studien ein, z.B. für Medizin, im juristischen Bereich oder an der ETH?

Nein, mit der Lateinmatura stehen nach wie vor die Türen zu allen Studienrichtungen offen. Von ehemaligen Lateinmaturanden kann man immer wieder hören, dass die Beschäftigung mit Latein an der Kantonsschule eine wertvolle Basis bildet auch für Studien, für die eigentlich keine Lateinkenntnisse vorgeschrieben sind. (siehe Link "Echos von Ehemaligen")

 

 

10. Warum steht die bilinguale Maturität nicht auch Lateinern offen?

Das hat organisatorische Gründe und ist tatsächlich nicht sehr einleuchtend. (Die gleiche Frage könnten sich übrigens auch die Schüler mit den Schwerpunktfächern Mathematik, Naturwissenschaften, Musik und Bildnerisches Gestalten stellen.) In Wirklichkeit ist dies jedoch kaum ein Nachteil, da nach der Matura ohnehin die meisten einen kürzeren oder längeren Fremdsprachaufenthalt machen. Die Lateiner und die Absolventen der vorgenannten Schwerpunktfächer haben zudem die Möglichkeit, im 4. Jahr das entsprechende Frei- oder Vertiefungsfach zu wählen und ein Englischdiplom (First oder Advanced) zu erwerben. Last but not least stellen Lateinkenntnisse die beste Verbreiterung des englischen Wortschatzes dar, weil im gehobenen Englisch und im Fachjargon aller Disziplinen die Wörter mit lateinischer (oder griechischer) Wurzel den Löwenanteil ausmachen.

 

 

11. Wie steht es mit dem Griechischen, der Sprache der Philosophen und der Bibel?

Griechisch kann nur an der Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen belegt werden. Für weitere Details siehe www.ksbg.ch/fg_altesprachen/website/grtra.htm.