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Echos von Ehemaligen

 

Wie sehen Ehemalige der KSH das Schwerpunktfach Latein im Rückblick? Welches waren ihre Beweggründe für die Wahl von Latein? Warum empfehlen sie auch heute den Sekundarschülerinnen und –schülern dieses Fach?

Im folgenden äussern sich verschiedene Absolventen zum Schwerpunktfach Latein. Ich danke den Beteiligten für die spontane Bereitschaft, zuhanden interessierter Kreise Rückblick zu halten. Besonders freut mich, dass die Palette der Beiträge die Breite der Interessen von Lateinabsolventen dokumentiert, sind doch nicht nur die Geisteswissenschaften vertreten, für die Latein ja eine Voraussetzung darstellt, sondern auch die andern Fakultäten, die ETH ebenso wie die Medizin, die Betriebswirtschaft ebenso wie die Jurisprudenz.
Hans Haselbach

                         

Obwohl ich jetzt Physik studiere und man meinen könnte, in dieser Situation bringe einem das Latein nun wirklich nichts, bin ich mir absolut sicher, dass ich es wieder genauso machen würde. Dabei geht es nicht einmal primär um den Stoff an sich, obwohl mir natürlich meine Lateinkenntnisse im Studium wie auch im Alltag zuweilen gute Dienste leisten. Im Lateingymnasium lernt man neben Latein auch sehr viel für das tägliche Leben und das Studium allgemein. Das Spektrum reicht von vielfältigen (für das Studium natürlich sehr nützlichen) Arbeitsmethoden über Durchhaltewillen (den man, wie von anderen hier schon beschrieben, definitiv für das Latein braucht, jedoch ebenso im späteren Studium – z.B. in Physik!) bis hin zu einem geschulten Blick einerseits für Sprache, aber genauso für historische Kunst und Kultur. Nicht zuletzt beeinflusst das Lateingymnasium auch innere Einstellung und Werte. Ich wage zu behaupten, dass in keinem anderen SPF der Horizont so breit ist wie im Latein. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb ich Latein auch als angehender Physiker dem Naturwissenschaftlichen Typus auch ein zweites Mal vorziehen würde. Meine Studienkollegen mit Mathematik-Matur mögen z.T. sicher gewisse Vorteile haben im Studium. Doch wie sich gezeigt hat, sind diese Vorteile bei Weitem nicht entscheidend. Für mich persönlich viel entscheidender sind die Arbeitsweise, die ich mir in den vier Jahren an der KSH angeeignet habe, genannter Durchhaltewille und vor allem auch, jederzeit die Möglichkeit zu haben, über den physikalisch-mathematischen Tellerrand hinauszuschauen und die Dinge aus einer komplett anderen Perspektive zu betrachten.
Zum Schluss sei aber noch eine kleine Warnung für angehende Naturwissenschaftler angefügt: Selbstverständlich muss man sich bei seiner Wahl bewusst sein, dass in einer Lateinklasse das allgemeine Interesse für Mathematik und Naturwissenschaften niemals dasselbe sein kann und wird, wie in einer Mathematikklasse. Für mich war dies jedoch zu keiner Zeit ein Problem.

24.3.2010, Damian Göldi, Matura KSH 2008, 2. Semester Physik/Astronomie, Universität Bern

 

Den Entscheid im Gymnasium Latein als Schwerpunktfach zu wählen, hab ich bisher nie bereut. Zwar war das Erlernen der Sprache manchmal mühsam, gab es doch einige Vokabeln, Grammatikstrukturen, Konjugations- und Deklinationsschemen und manchmal auch ganze Gedichte auswendig zu lernen, aber es hat sich gelohnt.
Nicht nur, weil mir die regelmässige Auseinandersetzung mit den Ausdrucksmöglichkeiten der deutschen Sprache beim Übersetzen sehr dabei half, meine Muttersprache besser kennen zu lernen, und mir meine Lateinkenntnisse dabei helfen Fach- und Fremdwörter besser zu verstehen und Sprachen rascher zu erlernen, sondern vor allem, weil Latein das allgemein bildendste Fach an der Kanti ist. Lateinlernen erweitert den Horizont.
So sprachen wir im Lateinunterricht beispielsweise auch über frühe Hochkulturen, die Antike und das Mittelalter (der Geschichtsunterricht beginnt erst bei der Renaissance), lernten die griechische Philosophie kennen (im Wahlpflichtfach Ethik und Philosophie fand nur Sokrates Platz), wir warfen einen Blick in die Werke grosser Schriftsteller, diskutierten die Entstehung und Verbreitung des Christentums, wir sprachen über das römische Recht, lernten das Leben der Menschen in der Antike kennen und erarbeiteten uns dabei eine Basis zum Verständnis, aber auch zum Hinterfragen unserer eigenen Kultur.
Der Unterricht beschränkte sich dabei bei weitem nicht nur auf das Lesen von Texten. Ein guter Teil des Unterrichts bestand aus Diskussionen. Oft kamen Themen zur Sprache, die sich rasch zu lebendigen Gesprächen entwickelten. Der Bezug zum Latein war dabei nicht immer eng, so konnte sich aus einem Vortrag über ein päpstliches Rundschreiben, schon mal eine rege Diskussion über kirchliche Abtreibungsverbote und daraus eines über Entwicklungshilfe entwickeln.
Und natürlich hockt man als Lateiner nicht die ganze Zeit still im Schulzimmer, manchmal sprangen wir über Stühle um die Metrik zu begreifen, etwas öfters genossen wir lehrreiche Ausflüge nach Berneck, nach St. Gallen, aber auch nach München und Rom.

26.11.2009, Lina Graber, Matura KSH 2006, 7. Semester Maschinenbau, ETH Zürich

 

Das Latein hat so viele Dinge in meiner Weiterentwicklung erleichtert.
Den grössten Pluspunkt schreibe ich dem Latein als Basis aller romanischen Sprachen zu. In meinem Zwischenjahr habe ich dank dieser Grundlage in drei Monaten fliessend Italienisch gelernt. Dies hat das Vertrauen in meine Sprachkenntnis gestärkt, so dass ich nun im Frühling ein Praktikum (als Physiotherapeutin) in Porrentruy wage, um auch das Französisch einmal „richtig“ zu lernen. Das Spanisch muss noch etwas warten, ist aber in Planung.
Des Weiteren haben mir meine Lateinkenntnisse im Germanistik- und auch im Nordistikstudium weitergeholfen (v.a. im Erkennen von Zusammenhängen in Sätzen und dem Verstehen, resp. Ableiten von Fremdwörtern). Aber auch im Physiotherapiestudium erleichtert mir das Latein das Lernen. Begriffe wie lateral, dorsal, ventral, cranial, caudal, Tendo ... sind für mich selbsterklärend, während andere diese büffeln wie früher die Franzwörtli. Obwohl ich während der Kanti das Latein verwünscht habe, würde ich es wieder als Schwerpunkt nehmen.

22. 10.2009, Hanna Steiner, Matura KSH 2006

 

Ich habe dem Latein einiges zu verdanken; gerade in einem Studium wie Rechtswissenschaften, das den Spielraum der deutschen Sprache bis zum äussersten reizt, bin ich froh über ein strukturiertes und logisches Verständnis der Sprache. Eine Eigenschaft, die ich massgeblich dem Erlernen von Latein zumesse.
Obwohl für das Studium der Rechtswissenschaften kein Latein mehr erforderlich ist, kenne ich nicht wenige Leute, die in mühsamer Arbeit zumindest das "kleine Latinum" nachholen, denn das Latein ist allgegenwärtig.
Auf jeden Fall würde ich Latein wieder wählen!

30.10.2009, Christoph Hoefliger, Matura KSH 2007, 1. Semester Ius, Univ. Bern

 

Alles in allem kann ich das Hauptfach Latein nur weiterempfehlen. Natürlich muss das Interesse da sein und ein gewisser Durchhaltewille ist unabdingbar. Doch wenn man es wirklich durchzieht, eröffnet sich einem so vieles. Der offensichtlichste Vorteil ist die sprachliche „Breite“. Viele Fremdwörter kann man herleiten, auch Wörter in anderen Sprachen. Der weit grössere Vorteil ist aber im Inhalt zu suchen. Was mich am meisten beeindruckte, war die Philosophie. Es sind einfach so viele Sachen, die eben auf diesem historischen Fundament aufbauen. Und wer dieses Fundament hat, kann sich auch besser nach oben arbeiten. Es sind so viele Denkweisen, die betrachtet werden, das spitzfindige Übersetzen schult sowohl die Logik als auch die nötige „Skepsis“ für die Herangehensweise an Texte.
Aber Latein bedeutet auch viel Arbeit. Ich habe für kein anderes Fach so viel gearbeitet wie für Latein. Wir hatten oftmals grössere Projekte und Arbeiten zu erledigen. Dabei lernt man recherchieren, nachschauen, vergleichen, zusammenstellen, resümieren, genaues Arbeiten, nachschlagen, formulieren, argumentieren, kritisieren…  genau die Dinge, die man später vor allem im Uni-Alltag braucht. Insofern ist Latein als Hauptfach die beste Uni-Vorbereitung, falls nicht fachlich, dann sicherlich methodisch. Auch wenn ich in den 4 Jahren einige Male meine Wahl habe rückgängig machen wollen, doch im Nachhinein bin ich froh, dass ich diese Wahl getroffen habe.

9.10.2009, Pascal Schmuckli, Matura KSH 2008, 1. Semester PHSG, Primarlehrer

 

Das Latein ist eine sehr anspruchsvolle und vielfältige Sprache. Wer nicht gerne Wörter und Grammatik auswendig lernt, wird sich schwer tun, diese Sprache zu erlernen. Doch der Aufwand, den man für die Beherrschung der Sprache aufbringen muss, lohnt sich auf jeden Fall. Mir persönlich haben die Lateinkenntnisse geholfen, andere Fremdsprachen besser und schneller zu erlernen. Auch in der deutschen Sprache hat mir Latein erhebliche Vorteile eingeräumt. Mir fiel es leichter, anspruchsvolle Fremdwörter durch einfache Ableitungsregeln aus dem Latein zu verstehen und mir diese auch selbst anzueignen. Somit hat sich meine Ausdrucksweise positiv verändert. Dies jedoch nicht nur, weil ich mir Fremdwörter aneignen konnte, sondern auch durch die erlernte Ausdrucksweise im Lateinunterricht. Es ist ersichtlich, dass Latein eine fächerübergreifende Wirkung hat. Ich würde sogar behaupten, dass durch die relativ strengen Anforderungen im Lateinunterricht, andere Fächer besser bewältigt werden können, weil man gelernt hat, mit Stress und Prüfungsdruck besser umzugehen.
Der Lateinunterricht an der KSH besteht jedoch nicht nur darin, die Sprache als solche zu erlernen. Wir behandelten beispielsweise auch geschichtliche Aspekte und beschäftigten uns eingehend mit den damaligen Philosophen. Wer nun glaubt diese Erkenntnisse werden einem später nicht mehr weiter helfen, hat weit gefehlt. Ich studiere im 3. Semester Law and Economics an der Universität St. Gallen (HSG) und wurde schon des Öfteren mit dem römischen Recht aber auch mit philosophischem Hintergrundwissen konfrontiert. Insofern kann ich mir kaum ein vielfältigeres SPF als das Latein vorstellen.
Zu guter Letzt ist auch die Romreise, die man als Lateinklasse unternehmen darf, ein sehr eindrückliches Erlebnis. Das Wissen vom Unterricht wird auf eine spielerische Art und Weise verknüpft und hat zur Folge, dass man nicht nur über Dinge in einem Schulzimmer diskutiert, sondern diese wirklich in der Realität betrachten kann.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr wichtige und eindrückliche Erfahrungen im Lateinunterricht gesammelt habe, welche mir noch heute in jeglichen Lebens- und Lernbereichen eine grosse Hilfe sind. Es ist kaum möglich, alles in Worte zu fassen. Deshalb empfehle ich allen, Latein als SPF zu wählen und sich selbst davon zu überzeugen.

10.10.2009, Daria Segmüller, Matura KSH 2008, 3. Semester Law and Economics, HSG

 

Warum Latein? - Im Alltag begegnen wir dem Latein auf Schritt und Tritt: Was heisst schon wieder „posséder“ oder „dignity“? Hat jetzt Maniküre oder Pediküre etwas mit Händen zu tun? Warum steht auf unserem Geld „CONFOEDERATIO HELVETICA“? Und was macht Hannibal mit Elefanten in den Alpen? Diese und viele weitere Fragen und Antworten behandelt man während dem Lateinstudium an der Kantonsschule. Natürlich kommt man als Lateinschüler zusätzlich in den Genuss einer garantiert unvergesslichen Romstudienreise, diverser Tagesausflüge nach Basel oder München und vielen anderen Projekten.
Ich würde Latein wieder wählen, da ich von dieser Sprache enorm profitieren kann/konnte. Durch das Erlernen von Latein entwickelt man ein sehr gutes Sprachgefühl, was sich natürlich auch in den anderen Sprachen (Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Englisch) widerspiegelt. Da Latein ebenfalls das vernetzte Denken fördert, lernt man Zusammenhänge schneller zu erkennen.
Aber Latein hat mir nicht nur in der Schule sehr geholfen, auch im Alltag treffe ich – auch heute noch – immer wieder auf Wörter oder Bauten mit lateinischem Hintergrund. Ohne je die italienische Grammatik gelernt zu haben, bin ich beispielsweise in der Lage einen italienischen Zeitungstext zu verstehen. Auch Fremdwörter in deutschen Texten lassen sich problemlos aus dem Latein herleiten.
Natürlich lernt man in den vier Jahren an der Kanti nicht nur trockene Grammatik und Vokabular, sondern auch vieles über das Leben, die Geschichte und die Sitten der Römer. Wussten Sie zum Beispiel, dass schon die alten Römer vor über 2000 Jahren, Wasserleitungen und Fussbodenheizungen hatten? Oder kennen Sie die kolossalen Bauten wie das Colosseo und das Pantheon in Rom?
Sie sehen also, Latein ist keines Falles eine tote Sprache! Man findet seine Spuren noch überall in der heutigen Zeit und ich finde, eine Sprache und eine Lebenseinstellung, die sich über 2000 Jahre gehalten hat, darf nicht einfach vergessen werden! Deshalb habe ich mich auch jetzt an meiner Hochschule für Latein entschieden.

15. 10. 2009, Jeannette Sieber, Matura KSH 2008, 1. Semester PHSG, Sekundarlehrerin

 

Am Ende der 2. Sek schon zu wissen, was man später studieren möchte, ist eine schwierige Frage, die angehenden Kantischülern Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Natürlich wählt man zu diesem Zeitpunkt erst das Schwerpunktfach für die Kanti, doch möchte man die richtige Wahl treffen und später an der Universität möglichst vom vermittelten Stoff profitieren.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viele ihre Zukunftspläne während der Kanti noch häufig ändern und plötzlich Interesse an einer Studienrichtung bekunden, an die man früher nie gedacht hätte. Die Wahl des SPF Latein kann ich daher nur empfehlen, da es einem bekanntlich alle Türen offen hält!
Die Kenntnisse aus dem Lateinunterricht haben mir das Leben in vielen anderen Fächern ein wenig leichter gemacht: Grosse Teile der deutschen Grammatik waren mir bereits vom Lateinischen her bekannt, Französisch lernen fiel mir wesentlich leichter und auch in Geschichte oder Geographie konnte ich mein Wissen erweitern. Darüber hinaus profitiere ich noch heute vom Lateinunterricht, obwohl ich mit dem Wirtschaftsstudium einen ganz anderen Weg eingeschlagen habe. So verstehe ich beispielsweise die meisten juristischen Fachtermini, ohne jedes Mal nachzuschlagen, kenne das römische Recht ein wenig und begegne auch in modernen Theorien immer wieder den Ideen antiker Philosophen.
Meine obige Schwärmerei lässt vermuten, dass ich mich jeden Morgen einzig und allein auf den Lateinunterricht gefreut habe. Das ist natürlich nicht so! Latein bedeutet auch mühseliges Vokabeln lernen, Grammatik repetieren oder Verse rezitieren. Doch an dieser Herausforderung wächst man. Denn auch an Universitäten gibt es Assessments, Selektions- und Eignungstests, die einem das Leben nicht immer leicht machen. In solchen Situationen ist man froh, wenn man sich schon früher ab und zu „durchgebissen“ hat.
Nebst dem Schulstoff vermittelt einem das Latein aber auch praktische Fähigkeiten. So haben wir gelernt, Informationen systematisch und gründlich zu beschaffen sowie kritisch zu hinterfragen oder Fremdwörter etymologisch herzuleiten und so deren Bedeutung selbst zu ergründen. Dies erweist sich sowohl im Studium als auch im Alltagsleben immer wieder als sehr nützlich.
Zu guter Letzt möchte ich noch kurz mein grösstes Highlight als Lateinschüler erwähnen, nämlich die Reise nach Rom. Dort durften wir während einer ganzen Woche weltbekannte Schauplätze wie das Pantheon, den Petersdom oder das Kolosseum erkunden, was uns wohl immer in Erinnerung bleiben wird.
Ich erinnere mich gerne an die 4 Jahre Lateinunterricht und würde diese Wahl sofort wieder treffen!

23.10.2009, Philipp Hutter, Matura KSH 2007, 3. Semester Betriebswirtschaft, Univ. St. Gallen

 

LATEIN – (k)eine tote Sprache?! Während der Kantizeit war ich öfters mit meinem Latein am Ende – im wahrsten Sinne des Wortes. Sei es beim Auswendiglernen von Hexametern, beim Herunterleiern von Stammformen oder beim Knobeln über kompliziert verschachtelten Sätzen.
Trotzdem und auch gerade deswegen gibt es wahrlich viele Gründe, die für das Schwerpunktfach Latein sprechen: Ich habe gelernt, mit Sprache bewusster umzugehen und mich gezielter auszudrücken, was für mein Jusstudium eine wichtige Voraussetzung ist. Mir wurde vermittelt, wie ich schnell an die richtigen Informationen komme und wie diese zu verarbeiten sind. Ich erfuhr die Antike von allen Seiten, eine Horizonterweiterung in den Bereichen Philosophie, Architektur, Kunst und Literatur – bestimmt eine unschätzbare Erfahrung.
So ist es nicht verwunderlich, dass mir vom Lateinunterricht nicht die unzähligen Stunden des mühsamen Lernens, sondern die zahlreichen tollen Diskussionen über Stoische Ruhe und Weltbilder, das gemeinsame Betrachten und Abzeichnen antiker römischer Statuen und Mosaiken, die Besprechung mythologischer Szenen auf Sarkophagen oder eine unvergessliche Reise nach Rom geblieben sind.
Übrigens: Wer im Vatikan am Bancomat Geld beziehen will, erfährt den Beweis, dass Latein eine heute noch äusserst lebendige Sprache ist: „INSERITO SCIDULAM QUAESO UT FACIUNDAM COGNOSCAS RATIONEM“, wird der Kunde begrüsst. Noch Fragen?

25.10.2005, Laura Bucher, Matura KSH 2003, 5. Semester Rechtswissenschaften, Universität Zürich

 

Latein ist eine faszinierende Sprache. Diese Faszination fusst einerseits in ihrer komplexen Logik, anderseits in einer starken Eleganz, die sich in solch verschiedenen Weisen wie der Dynamik des Spanischen, der Melodik des Italienischen oder der Reinheit des Französischen fortvererbt hat. Doch nicht bloss in den direkten sprachlichen Erben des Lateins sieht man die Fussstapfen jener „toten“ Sprache. Zahlreiche Fachgebiete bedienen sich ihrer. So werden kurze, prägnante Regeln oder Begriffe etwa in der Rechtswissenschaft nach wie vor in Latein ausgedrückt. Hin und wieder geschieht dies des Prahlens willens, doch meist bieten die lateinischen Ausdrücke Würze in Kürze, was ihren deutschen Pendants abgeht. Was jedoch nicht bedeutet, dass es vierer Jahre des Schwer­punkts Lateins bedürfte, um ein erfolgreiches Studium zu absolvieren.
Warum sollte man Latein wählen? Ich habe Latein gewählt, weil man mich darauf hinwies, dass es mit meinen Noten „üblich“ wäre. Aus­serdem weil es hiess, man könnte dieses oder jenes Studium ohne Latein­abschluss nicht in Angriff nehmen. Das Latein als Bedingung verschiedener Studienrichtungen zu machen, erachte ich für einen Fehler der Hochschulpolitik, der meines Wissens nicht mehr allzu oft begangen wird. In den Rechtswissenschaften zumindest überlebt man sehr gut auch ohne.
Was ich damit sagen will? Es gibt kaum mehr Gründe, warum man Latein lernen müsste. Und das ist auch gut so. Denn wer Latein wählt, weil er zu müssen vermeint, legt schon mal den falschen Grundstein seiner vier Jahre Schwerpunktfach. Es gibt aber durchaus Gründe, jenseits des Müs­sens, Latein zu wählen.
Erstens gewinnt man mit diesem Schwerpunktfach Einblick in Leben und Denken einer für Europa fundamentalen Kultur. Zweitens entwickelt man mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ver­feinertes, kri­tisches Sprachgefühl. Auch wenn dies schwer nachzuweisen ist, bin ich mir sicher, dass mein zeitli­cher Aufwand fürs La­tein mir spätestens beim rasanten Erlernen des Spanischen entschädigt wurde - und aktuell meine Panikattacken beim Anblick russischer Konjugationen lin­dert. Ganz zu schwei­gen davon, dass ich überzeugt bin, dass mir das Latein auch Fortschritte im Deutschen bescherte. (Der Nachteil dieses zweiten Punktes ist der folgende: Man kriegt Seitenste­cher beim Lesen von Gratiszeitungen.) Drittens ist das Latein eine der „mathematischsten“ Spra­chen, die ich kenne. Das mag jetzt viele ab­schrecken, sollte es aber nicht. Dadurch, dass man sprachlich und logisch zugleich gefordert wird, bildet man ein analytisch-kreatives Denken, das meiner Einschätzung nach oft zu kurz kommt, wenn man sich lediglich einer Seite hingibt. Vier­tens: Die römische Geschichte ist äus­serst spannend, ebenso die Mythologie und die antike Phi­lo­sophie. Die Schöpfungen römischer Dichter sind zwar überhaupt nicht leicht zu knacken, aber sehr reich. Fünftens: Lateinunterricht ist vielfältiger, als man denken könnte.
Zur Kehrseite der Medaille: Erstens, der Lateinunterricht ist sehr anspruchsvoll und bedeutet eini­ges an Zeitaufwand. Zweitens, man vergisst die lateinische Sprache selbst schneller wieder als an­dere Spra­chen – es fehlen die Gelegenheiten, sie zu pflegen. Drittens, Latein ist nicht „en vogue“. Entgegen der Ansicht mancher Juristen, lässt sich damit schwerlich herumprahlen. Viertens, die Grammatik kann einen hin und wieder wirklich zur Verzweiflung treiben.
Fazit: Ja, ich würde Latein wohl wieder wählen. Aber gewiss nicht aus den Gründen, aus denen ich es damals gewählt habe.
18.11.2009, M. U., Matura KSH 2005, 7.Semester Ius, Uni Bern

 

Für mein jetziges Studium wäre rückblickend Mathematik als Schwerpunkt am sinnvollsten gewesen. Das wusste ich aber bei meiner Wahl noch nicht und deswegen war dieser Entscheid sicher richtig.
Im Lateinunterricht lernten wir nicht nur, wie man Wörter am besten übersetzt. Auch die Grammatik oder die Geschichte der Sprache waren ein Teil davon.
Im Vergleich mit anderen Studierenden fällt es uns "LateinerInnen" vielleicht einfacher, Texte zu schreiben oder zu verstehen. Auch beim Lernen anderer Fremdsprachen haben wir viele Vorteile, weil uns beispielsweise das Erkennen von Wörtern durch ihren Wortstamm vier Jahre lang eingeprägt wurde.
Auch wenn man nach der Matura das Latein nicht mehr jeden Tag braucht und auch wenn diese vier Jahre nicht immer nur Freude bereitet haben, würde ich SekundarschülerInnen empfehlen, Latein als Schwerpunkt zu wählen.

12.10.2009, BL, Matura KSH 2005, 7. Semester Geographie/Mathematik, Universität Zürich

 

Ich würde definitiv wieder das SPF Latein wählen! Die vielen Exkursionen, die wir im Rahmen des Lateinunterrichts mit unserer Klasse unternommen haben, waren ein absolutes Highlight in meiner Zeit als Gymnasiast. Es bringt mich immer wieder zum Staunen, wie sehr mir der Lateinunterricht die griechische und römische Mythologie näher gebracht und ans Herz gelegt hat.

24.10.2009, Matthias Hoefliger, Matura KSH 2008, 1. Semester Anglistik, Univ. Zürich

 

Interessiert an Fremdsprachen? Fasziniert von Geschichte? Neigung zu Philosophie? Probleme mit Grammatik? Neugierig auf Götter und Sagen? Freude am Logisch Denken? Lust auf eine motivierte Klasse? Dann wähle SPF Latein!
Es stimmt: zum grössten Teil bist du am Wörtli und Formen büffeln. Doch wenn etwas Geduld und Ausdauer vorhanden ist, kann ich dieses Schwerpunktfach, gerade wegen seiner Vielfalt an behandelten Themen, nur empfehlen.
Während der Kantizeit kam mir das Latein zugute
- in Deutsch Grammatik, da wir den konzessiven Konjunktiv doch schon längst kannten
- in Biologie, da wir wussten, dass der homo erectus aufrecht geht
- im Italienisch, da mir die meisten Vokabeln schon bekannt vorkamen
- ...
In den letzten 4 Monaten, während meiner Fahrradtour durch Mitteleuropa, bin ich dem Lateinunterricht erstaunlich oft begegnet. Ich beschäftigte mich mit der Geschichte der durchfahrenen Länder und staunte immer wieder, wo die Römer überall waren, und was von ihnen übrig geblieben ist. Ich konnte da und dort eine Inschrift auf einer Kirchenfassade entziffern. Beim Tschechich lernen hatte ich System, wie ich schnell viele Wörtli beige. Und ohne schlechtes Gewissen bediente ich mich an den Kirschen, die über den Gartenzaun hingen ...Das Latein hat mir eine Grundlage gegeben, auf die ich immer wieder zurückgreifen konnte, und die mir wohl auch in Zukunft noch manchmal als Standbein dienen wird.
Das Latein ist kein Fach mit viel Action und Fun, doch wer einigermassen gerne lernt, wird sehr viel profitieren. Viel Spass!

23.09.2005, Maiann Suhner, Matura KSH 2004, zukünftige Geografie- und Slawistikstudentin in Neuchâtel.

 

Latein würde ich auf jeden Fall wieder wählen. Ich habe gelernt, wie ich schwierige Wörter am besten lerne, wie ich sie behalten kann und auch wie sie anzuwenden sind. Dies war eine wichtige Erfahrung, die mir in meinem Medizin-Studium, insbesondere in der Anatomie, geholfen hat.
Weiter habe ich durch das Latein bessere Sprachkenntnisse erworben. Fremdwörter verstehe ich viel besser als vorher und es fällt mir auch leichter, andere Sprachen, wie Italienisch oder Spanisch zu erlernen oder verstehen.

23.09.2005, Deborah Hehli, Matura KSH 2003, 3. Semester Medizin, Univ. Bern

 

Als im 2. Sekundarschuljahr anstand, sich für ein an der Kanti zu besuchendes Schwerpunktfach zu entscheiden, bereitete mir das einiges an Kopfzerbrechen. Mir schwebte noch kein klares Berufsziel vor, wonach sich meine Entscheidung hätte richten können. Nach vielen Gesprächen mit Kantischülern, Lehrern und Kollegen wählte ich Latein, vor allem mit dem Grundgedanken, dass ich mir da-mit immer noch alle Studiengänge offen halten konnte.
Doch im Gegensatz zur Sek zeigte sich in der Kanti immer mehr, dass die Sprachen nicht meine Stärke waren. Nach ca. einem Semester hatte ich auch grösste Motivationsprobleme im Latein. Denn das ewige Vokabelnlernen war mir zuviel geworden, vor allem, weil ich damit ziemlich schwer tat. Schliesslich überlegte ich mir ernsthaft, das Schwerpunktfach zu wechseln und besuchte sogar eine Probelektion in einer T-Klasse. Somit musste ich zum zweiten Mal über das Latein ent-scheiden.
Mit viel Unterstützung meiner Klassenkolleginnen und -kollegen sowie der Klassenlehrerin ent-schied ich mich fürs Latein, was ich bis heute nie bereute. Ich war nie ein Lateingenie, im Gegenteil, ich musste stets für einen genügenden Schnitt kämpfen. Trotzdem habe ich summa summarum ein grosses Wissen aus dem Lateinunterricht mitgenommen. Ich gebe zu, ich hätte heute grösste Mühe, einen lateinischen Text zu übersetzen, doch weiss ich heute noch viel über Sprachgeschichtliches und Etymologisches, Antike Geschichte, Wortbildung, etc. In einem Satz, es verhalf mir zu einem wesentlich breiteren Allgemeinwissen.
Heute habe ich eine ganz andere Richtung eingeschlagen und studiere Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen. Klar, da braucht man eigentlich kein Latein. Trotzdem, ich würde es wieder wählen. Denn unzählige Male habe ich schon davon profitiert, sei es im Sprachaufenthalt, als ich neue Wörter problemlos verstand, seien es die juristischen Fachbegriffe wie "in dubio pro reo" oder gerade aktuell, das wesentlich erleichterte Lernen der spanischen Sprache. Persönlich erfüllt es mich stets mit etwas Stolz, wenn ich auf meine Lateinkenntnisse zurückgreifen kann, auch wenn es nur während eines Fernsehquiz ist, bei dem nach einem lateinischen Wort gefragt wird.
Ebenfalls aufklären möchte ich über das Missverständnis über den Nachweis an Universitäten. An Infoveranstaltungen - an Sek und Kanti - hiess es immer wieder, man brauche Latein nicht mehr, um an einer Uni zu studieren. Dies stimmt wohl für Medizin, aber sicher nicht für Romanische Sprachen. Genügend Fälle sind mir bekannt, die das Latein an der Uni nachholen mussten. Deshalb macht es eigentlich keinen Sinn, SP Spanisch zu belegen, wenn man Spanisch studieren will, im Gegenteil, man sollte SP Latein wählen und im Freifach Spanisch belegen.
Ich hoffe, dass Latein als Schwerpunktfach noch lange bestehen wird. Doch trotz den vielen Annehmlichkeiten, die das Latein für das weitere Leben bieten kann, darf man nicht vergessen, dass es doch einiges an Einsatz braucht. Als Höhepunkt und Abschluss möchte ich eine Situation in einem Vorstellungsgespräch erwähnen. Ich wurde gefragt, was für mich Heimat bedeutet. und konnte voller Stolz antworten: UBI BENE, IBI PATRIA.

11.09.2005, Daniel Fritz, Matura 2002, 5. Semester Betriesbwirtschaft, Univ. St. Gallen

 

Der Schwerpunktfachswechsel in die Lateinklasse ist mir noch in guter Erinnerung und ich bin sehr froh, hatte ich jenen Schritt gewagt. Meiner Meinung nach sind Lateinkenntnisse von grossem Vorteil wenn nicht unabdingbar, sofern man sich für ein Sprachstudium interessiert. Latein bildet das Fundament aller romanischen Sprachen. Dies ist daran zu erkennen, dass sich häufig Wörter aus dem Lateinischen ableiten lassen. Ich denke, ich konnte daher meinen Wortschatz in Französisch sehr gut verfestigen und auch schneller vergrössern. Jedoch ist nicht nur der lateinische Wortschatz von Nutzen, sondern sind auch Kenntnisse von Ideologien aus der Zeit der lateinischen Sprache für das Verstehen von literarischen Texten wichtig. Die Literatur greift sehr häufig auf Ideen und Zitate aus der Antike zurück und lässt sie sogar in moderne Texte einfliessen.
Ein letzter Punkt, den ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen möchte, ist der Lernprozess beim Latein Lernen. Um einen lateinischen Text übersetzen zu können, muss man sehr detaillierte Satzanalysen machen, d.h. erkennen, definieren und kombinieren können. Ich habe dabei vor allem gelernt, sehr genau zu arbeiten und auch genau zu lernen, da bereits kleine Übersetzungsfehler den Sinn eines Textes völlig verändern können. Die Fähigkeit genau und konzentriert zu arbeiten, ist in praktisch allen Arbeitsbereichen eine wichtige persönliche Kompetenz.

24.10.2005, Samira Gadient, Matura KSH 2002, 7. Semester Französisch/Sport/Englisch, Universität Bern

 

Ich war mir lange Zeit überhaupt nicht schlüssig, was ich als Schwerpunktfach wählen sollte. Mathe kam damals nicht in Frage, als klares Hassfach während der Sek schied es für mich von vornherein aus. Die Sprachen erschienen mir definitiv zu langweilig, und für die Künste fehlten mir Begabung und Motivation. So blieb dann eben nur Latein übrig, und letzten Endes wählte ich es, einfach weil ich keine andere Möglichkeit sah.
Während meiner Zeit als Kantonsschüler hatte ich nicht ausgesprochen viel Freude an gewissen Bereichen des Faches Latein; Dinge wie Grammatik oder Metrik interessierten mich nicht besonders Mir gefielen aber die Diskussionen über Themen der Geschichte oder Philosophie, die Herr Haselbach immer wieder provozierte, sehr gut, da war ich immer mit Begeisterung dabei. Trotzdem würde ich Latein nicht als mein Lieblingsfach am Gymnasium bezeichnen.
Was ich jedem, der sich überlegt, Latein zu wählen, mitgeben will: Latein ist mit Abstand die härteste Option. Du wirst mehr für dein Schwerpunktfach arbeiten als die Kollegen aus den neueren Sprachen, der Mathematik, der Wirtschaft oder der Künste.
Weshalb ich trotz allem wieder Latein wählen würde: Ich profitiere heute extrem viel von den vier harten Jahren als Lateiner. Ob beim Erlernen neuer Sprachen, beim Lösen eines mathematischen Problems oder beim Nachdenken über Sinn und Unsinn unseres Lebens, die Bildung und die Schu­lung meines Denkens, die ich im Latein erfuhr, ist für mich eine kreative Quelle, die ich nicht missen möchte.

12.09.2005, Reto Gubelmann, Matura KSH 2004, 1. Semester Physik, ETH Zürich

 

Pantheon

Ich würde das Schwerpunktfach Latein jeder Zeit wieder wählen. Auch wenn die Grammatik manchmal langweilig und/oder komplex war und das Vokabeln lernen oft viel Geduld und Zeit forderte.
Aber ich habe enorm viel aus den vier Lateinjahren mitgenommen, wovon ich beispielsweise in meinem Studiium profitieren kann. Ich verstehe die meisten Fremdwörter, da ich ihre Bedeutung aus dem Lateinischen herleiten kann. Ich lerne relativ einfach und schnell andere Sprachen. Sogar nicht-romanische Sprachen (Englisch, Russisch) fallen mir leichter, da ich vom Latein her weiss, wie ich lernen muss und Erfolge erzielen kann. Durch die zum Teil akribische Übersetzungsarbeit habe ich gelernt, noch besser mit meiner Muttersprache Deutsch umzugehen. Nicht zuletzt habe ich viel über antike Kunst und Kultur und über die Geschichte der Griechen und Römer erfahren. Für mein jetziges Literatur-Kunst-Medien Studium ist dieses Wissen Gold wert.

8.09.2005, Susanne Alder, Matura KSH 2003, 3. Semester Literatur-Kunst-Medien / Soziologie, Universität Konstanz

 

Milvische Brücke

Warum Latein als Schwerpunktfach an der Kanti wählen? Erstens einmal ist es so, dass man mit einer Lateinmatura alle Studiumsmöglichkeiten zur Verfügung hat, und ich meine wirklich alle! Man kann studieren was man will, selbst für naturwissenschaftliche Fächer steht der Weg offen. Negativ formuliert: Hat man das Latein nicht, kann man keine Sprachen studieren. Also selbst jemand der eine Spanisch- oder Italienisch-Matura hinter sich hat, kann diese Sprachen nicht studieren ohne vorher das Latein nachgebüffelt zu haben.
Aber dies ist nur einer von vielen Gründen warum es sich lohnt Latein zu besuchen. Ich versuche, die wichtigsten einmal darzulegen. Für ein gutes Verständnis aller anderen Sprachen ist das Latein unabdingbar und das Lernen einer neuen Sprache ist wesentlich einfacher mit Lateinkenntnissen. Das Herleiten von Wörtern, der Gebrauch der Zeiten und vieles mehr wird einem erleichtert. Des Weiteren wird das logisch-systematische Denken gefördert, was einen positiven Effekt auf das gesamte Lernverhalten hat; das Lernen wird einfacher! Historische und kulturelle Hintergründe wer­den auch besser vermittelt, haben doch die Römer die euro­päische Lebensweise nachhaltig geprägt. Wer überdies auch Freude an der Literatur, an Sagen, Geschichten und Mythen hat, ist in diesem Schwerpunktfach sehr gut aufgehoben.
Man sollte einfach wissen, auf was man sich einlässt, denn Latein ist auch mit harter Arbeit verbunden, es gehört dazu, dass man Wörter, Deklinationen, Konjugationen, usw. schlicht und einfach auswendig lernen muss (aber in welchem anderen Fach muss man nichts vergleichbares machen?).
Jura und Latein. Ich habe mich nach der Kanti für ein Jura-Studium an der Universität Zürich entschieden. Diese Universität hat in Bezug auf diese Studienrichtung eine Besonderheit aufzuweisen, das Römische Recht. So viel ich weiss, ist sie die einzige Universität in der Schweiz, die dieses Fach als Obligatorium vorschreibt und demgemäss auch prüft. Zuerst denkt man sich, wozu römi­sches Recht, das brauch’ ich heute doch nicht mehr - falsch gedacht! Meines Erachtens ist das römische Recht eine unabdingbare Voraussetzung für ein gutes Verständnis des heutigen Rechts, da man heute vieles noch genau gleich behandelt wie dies die Römer schon taten. Die Aufzeichnungen Justinians waren Grundlage für die meisten europäischen Rechtskodifikationen. Des Weiteren ist das römische Recht auch sehr spannend, lustig, philosophisch und vielseitig. Darum ist es auch in Bezug auf ein Jura-Studium in Zürich von Vorteil, einmal Latein genossen zu haben, obschon man es nicht gelernt zu haben braucht. Ein Vorverständnis der römischen Kultur kann im Hinblick auf das römische Recht nicht schaden. Auch stärkt das Latein die Ausdrucksweise, präzise Formulierungen, Scharfsinn und Wortgewandtheit, was in einem Jurastudium nur von Vorteil sein kann.
Aus diesen und noch vielen weiteren Gründen, die ich bestimmt zu erwähnen vergessen habe, kann ich jedem das Schwerpunktfach Latein wärmstens empfehlen.

02.09.2005, Daniel Gebert, Matura KSH 2002, 5. Semester Jus, Uni Zürich

 

Latein wählte ich ursprünglich, weil ich studieren wollte und wusste, dass für viele Fächer (besonders an der philosophischen Fakultät) Latein unumgänglich ist. Anstatt am Anfang des Studiums zwei Semester intensivst Latein zu lernen, wollte ich die Lateinmatura machen und habe es nicht bereut.
Man lernt im Lateinunterricht mehr als nur die Sprache; der Horizont wird erheblich erweitert, so­wohl zeitlich als auch kulturell. Man erhält Einblicke in antike Mythologie, Lebenswelt, Philosophie, Literatur, Politik, Denkweise, Wertewelt, Religion und Geschichte (die antike Geschichte kommt im Geschichtsunterricht leider zu kurz, ebenso wie das Mittelalter, die Unterrichtszeit reicht gerade so für die Neuzeit). Diese Horizonterweiterung geschieht durchaus auch praktisch: Wir haben römisch gekocht, sind nach München in die Glyptothek gefahren und haben Rom besucht. Es ist nicht nur die römisch-lateinische Antike, die einem näher gebracht wird, sondern auch die grie­chische und die christliche.
Natürlich ist Latein auch Arbeit, manchmal langweilig und auch anstrengend. Aber das ist auch in jedem anderen Fach so. Ich erinnere mich gut an die Klagen der Schüler mit SPF Italienisch. Vokabeln müssen auch woanders gelernt werden, Bücher auch woanders gelesen werden und Prüfungen gibt es auch überall. Latein fordert, vielleicht mehr als anderes Fächer, doch ich kann das schlecht beurteilen. Ohne Forderung lernt man jedoch nicht!
Was ich persönlich am meisten geschätzt habe, war, wenn wir selber einen Text oder eine Stelle aussuchen konnten. So kann man sich mit etwas beschäftigen, was einen interessiert. Und noch viel wichtiger, man findet heraus, was einen interessiert. Und durch die Vielfalt (jeder Schüler übersetzt ja etwas anderes) lernt man auch viele verschiedene Texte kennen, von denen man vorher u. U. nicht wusste, dass sie existieren. Oft belässt man es nicht bei einer Übersetzung, sondern geht weiter mit Interpretationen, Nachdichtungen und Bearbeitungen. Wir gestalteten Vorträge und Plakate. Ich würde sagen, Latein war ein sehr aktives Fach, was die Stunden und die Hausaufgaben anstrengender machte als in den meisten anderen Fächern, die ich besuchte.
Durch das Latein habe ich meine Begeisterung für Geschichte und für die Antike entdeckt. Und ich bin immer noch dabei, diese Zeit kennen zu lernen. Auch wenn ich sprachlich gesehen nie ein Genie war und in Übersetzungen auch nicht wirklich gut, hat mir Latein oft Spass bereitet.

31.08.2005, Leandra Graf, Matura KSH 2004, 3. Semester Geschichte, Universität  Zürich

 

Wahrscheinlich würde ich wieder das Schwerpunktfach Latein wählen, wobei der eigentliche Grundstein bei mir schon in der 6. Klasse gelegt wurde. Ich wählte dort Latein, weil ich mir dachte, ich könne immer noch aufhören, falls es mir nicht gefalle, und zu verlieren gäbe es ja auch nichts. Aber so richtig gründlich habe ich es mir damals nicht überlegt, weil es uns auch nicht gross vorge­stellt wurde. Meiner Meinung nach müsste man also in der 6.Klasse die Schüler schon mehr darüber informieren. Wenn man die 2 Jahre Latein in der Sek gemacht hat, ist es dann irgendwie naheliegend, dass man es in der Kanti weiter nimmt, da man die 2 Jahre sonst „vergebens“ gemacht hat.
Aber wenn ich jetzt, heute nach 2 Jahren Medizinstudium zurückblicke, haben mir die 6 Jahre La­tein  (auch wenn es mir nicht immer Spass gemacht hat und es manchmal ziemlich deprimierend war, dass ich nach 6 Jahren Latein mit einem grossen Zeitaufwand nicht einmal fähig war, einen einseitigen Text zu übersetzen und zu verstehen) v.a. in den folgenden Punkten Vorteile gebracht:
- Das Lernen von lateinischen (oder z.T. auch griechischen) Fachausdrücken in der Anatomie fiel mir leichter, da ich mich gewohnt war, Latein-Wörter zu lernen, und auch die verschiedenen Geni­tiv- und Plural-Endungen musste ich nicht lernen, sondern konnte sie herleiten.
- Auch beim Lesen von Büchern mit vielen Fremdwörtern konnte ich einige dieser Wörter dank dem Latein herleiten.
- Und nicht zuletzt war auch Latein das erste Fach, für welches ich so richtig lernen musste.
Jetzt über die 2 Jahre Studium hinweg gesehen, bin ich froh Latein
gewählt zu haben, aber v.a. im ersten Jahr wäre ich einige Male froh gewesen, wenn ich das Schwerpunktfach Biologie/Chemie gehabt hätte.
Wenn ich so an den Lateinunterricht zurückdenke, kommen mir als Höhepunkte einige Exkursionen und v.a. die Romreise in den Sinn, die ich nie vergessen werde.

05.09.2005, Lena Wildermuth, Matura KSH 2003, 5. Semester Medizin, Universität Bern

 

Obwohl ich nicht immer motiviert war, der Unterricht manchmal sehr streng war, ich nicht alles spannend fand, würde ich wieder Latein als Schwerpunktfacht wählen. Ich habe damals Latein vor allem deshalb gewählt weil ich noch keine Ahnung hatte was ich studieren würde und sicher sein wollte, alle Möglichkeiten offen zu haben. In der Kanti Spanisch zu nehmen, dann aber an der Uni das Latein nachholen zu müssen um es weiter zu studieren, wollte ich nicht.
Tatsächlich werden für mein gewähltes zukünftiges Studium, Geschichte an der Universität Neuchâtel, einige Lateinkenntnisse gefordert, und ich denke, der ausführliche Unterricht den ich während der Kanti genossen habe wird mir für das Übersetzen von Quellentexten im Studium sehr nützlich sein. Im ersten Nebenfach werde ich Russisch studieren, auch dort werde ich dank dem Latein einen Vorteil in der Grammatik und Sprachaufbau haben. Wer einmal eine Sprache so gram­matisch, theoretisch gelernt hat wie Latein, dem fällt es später in jeder neuen Fremdsprache leichter die Grammatik zu verstehen. Das habe ich auch in meinem Zwischenjahr in Lateinamerika erfahren, wo ich wohl dank meiner Lateinkenntnisse sehr rasch Spanisch gelernt habe.
Während des Unterrichts waren es mehr die Lektionen über römische Geschichte, antike Philoso­phie, römisches Recht und antike Kunst etc, die mich interessierten als die Grammatikeinheiten. Diesen kulturellen Hintergrund unseres Europas besser zu kennen und zu verstehen lernen finde ich einen sehr wertvollen Bestandteil des Latein-Unterrichts.

25.09.2005, N.H., Matura KSH 2004, bald erstes Semester Geschichte, Universität Neuenburg, und Russistik, Univ. Bern